Digitale Langzeitarchivierung

Grafiken aus Digitalisierungsprojekten, elektronische Dissertationen, AV-Materialien, digitale graue Literatur – ein stetig wachsender Teil der  Bibliotheksbestände besteht aus digitalen Informationen in verschiedenen Formaten, die gesammelt und zugänglich gemacht werden. Die Erhaltung der dauerhaften Benutzbarkeit dieser digitalen Daten stellt eine neue Herausforderung dar. Goportis arbeitet zurzeit an der Entwicklung von Maßnahmen sowie dem prototypischen Betrieb eines Systems zur digitalen Langzeitarchivierung. Durch Bündelung von Ressourcen, Wissen und Erfahrung werden geeignete Strategien zur dauerhaften Benutzbarkeit digitaler Daten entwickelt. Die Langzeitarchivierungsstrategie soll in einer Goportis Policy festgeschrieben werden.

Gemeinschaftsprojekt von:
Technische Informationsbibliothek Hannover
Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, Köln/Bonn
Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, Kiel/Hamburg

Projektleitung TIB:
Uwe Rosemann

Projektbearbeitung TIB:
Thomas Bähr

Projektlaufzeit:
18 Monate

Projektbeschreibung

Da keine universelle Strategie für die digitale Langzeitarchivierung existiert, bedingen sich Entwicklungen und Projekte stark durch unterschiedliche Faktoren: Das zu archivierende Material, die Art der archivierenden Institution, der Umfang der digitalen Sammlung, die Kooperationspartner, bestehende Infrastrukturen und personelle Kapazitäten sind nur einige Beispiele für Kriterien, welche die Herangehensweise maßgeblich beeinflussen.

Aus diesem Grunde entfällt ein schematisiertes Vorgehen, da es keine allumfassende Lösung in Bezug auf teils stark unterschiedliche Daten, Sammelaufträge und Nutzeranforderungen geben kann.

Für die praktische Erprobung ist es erforderlich, dass eine moderne Testumgebung mit einem authentischen Testszenario zur Verfügung steht. Aufgrund dessen wurde durch das Goportis LZA Projekt eine umfassende Marktanalyse durchgeführt und ein auf die spezifischen Belange der Zentralbibliotheken zugeschnittener Kriterienkatalog entwickelt. Nach sorgfältiger Analyse wurde für eine begrenzte Testperiode das Produkt „Rosetta“ der Firma Ex Libris angeschafft.

Das in Goportis verfolgte Konzept der Langzeitarchivierung beachtet folgende Aspekte:

  • Implementierung des Systems zur Langzeitarchivierung unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Standards
  • Nutzung von offenen Entwicklungsplattformen, die eine weitere Integration von Teilprojekten, Anwendungen und Workflows ermöglichen
  • Einsatz international anerkannter Produktiv- und Testsysteme
  • Berücksichtigung des kompletten Lebenszyklus von digitalen Daten (vom Produzenten über das digitale Langzeitarchiv hin zum Nutzer)
  • Erschließung und Archivierung digitaler Daten im Rahmen eines abgestimmten Prozesses und im Einklang mit (noch zu definierenden) institutionellen Policies
  • eine hohe Qualität und Transparenz des Vorgehens durch definierte und dokumentierte Workflows und Policies
  • Effizienter Ingest und ein an den Bedürfnissen der Nutzer ausgerichteter Access der Daten
  • Bündelung von nationalen und internationalen Entwicklungskapazitäten und Erfahrungen als Voraussetzung für eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Wissen und Technologien

Referenzmodell für die Implementierung des von Goportis verwendeten Langzeitarchivierungssystems ist das „Open Archival Information System“ (OAIS), ein Referenzmodell, welches die Aufnahme der digitalen Objekte ins Langzeitarchiv (Ingest) über die Archivablage (Archival Storage) und die Planung von Sicherungsmaßnahmen (Preservation Planning) bis hin zur Nutzung (Access) beschreibt.

Das aktuell umgesetzte Pilotprojekt zur LZA hat eine Laufzeit von insgesamt 18 Monaten. Zudem war bereits vor dem eigentlichen Projektstart am 1. April 2010 eine Vorbereitungsphase vonnöten, um die teilweise erheblichen Vorarbeiten zu gestalten.