Kompetenzzentrum für multimediale Objekte (KMO)
Aktuell entstehen neue Wege der wissenschaftlichen Kommunikation, die über die bisherigen Hauptinformationsträger, Artikel und Bücher, hinausgehen. Experimentelle Untersuchungsreihen liefern beispielsweise Forschungsprimärdaten, Visualisierungen,
audiovisuelle Medien (AV-Medien), Modelle, Animationen und Simulationen. Mit dem Ziel die Bedingungen für den Zugang zu und die Nutzung von multimedialen Objekten in Forschung und Lehre grundlegend zu verbessern und neue Formen der Nutzung vorhandener Bestände zu ermöglichen, hat die TIB ein Kompetenzzentrum für multimediale Objekte (KMO) gegründet.
Die Aufgaben des Kompetenzzentrums im Einzelnen sind folgende:
- Multimediale Objekte sammeln, archivieren und mediengerecht zur Verfügung stellen
- Medienspezifische Portale entwickeln und in GetInfo integrieren
- Multimediale Objekte über GetInfo mit weiteren Informationen wie z.B. Volltexten oder Forschungsdaten verknüpfen
- DOI für multimediale Objekte vergeben
- Multimediale Objekte langzeitarchivieren
- Expertise für multimediale Objekte in wissenschaftlichen Bibliotheken bündeln und weitergeben
- Aufbau von Netzwerkstrukturen, gemeinsame Entwicklung von Standards
- Angewandte Forschung und Entwicklung betreiben (Multimedia-Retrieval, Visualisierung, automatische Inhaltsanalyse etc).Siehe auch. "Visueller Zugang zu Forschungsdaten" und "PROBADO"
In diesem Zusammenhang wird derzeit ein innovatives AV-Portal entwickelt, das einen webbasierten Zugang zu wissenschaftlichen Filmen aus Technik und Naturwissenschaften ermöglicht, wie z.B. Simulationen, Animationen, aufgezeichnete Experimente, Vorlesungen und Konferenzen. Für 2011 ist ein teilfunktionaler Prototyp geplant, in 2012-2013 der Betabetrieb und in 2014 der Vollbetrieb.
Anforderungsanalyse
Im Frühjahr 2010 hat die TIB eine Analyse durchgeführt, die Aufschluss gibt über die Anforderungen der Benutzer und der Autoren in Bezug auf die Sammlung von wissenschaftlichen AV-Medien sowie über deren Bereitstellung auf einem Portal. Die Maßnahmen der Anforderungserhebung im Frühjahr 2010 umfassten:
- Experteninterviews mit Vertretern wissenschaftlicher Institute, Filminstitute, Bibliotheken und Hochschulen.
- Umfeldanalyse: Recherche öffentlich verfügbarer Videoportale, inhaltsbasierter Suchmethoden und Visualisierung
- Entwicklung eines statischen Prototypen auf Basis der Ergebnisse
- Evaluation mit Benutzern aus den Zielgruppen (Fokusgruppen mit Produzenten und Rezipienten)
Auf der Basis dieser Analysen wurden u.a. folgende Leistungsbereiche für den Prototypen abgeleitet:
- Kundenfreundliche Benutzeroberfläche
- Leistungsstarke textuelle Suchfunktionen (einfache Suche, erweiterte Suche)
- Visuelle Suchfunktionen (z.B. ähnlichkeitsbasierte Suche)
- Semantische Suche
- Visuelles Inhaltsverzeichnis auf der Basis von Shot-/Szenendetektion
- Klassifizierung auf der Basis von Genredetection
- Navigation über den Audiotext auf der Basis von Spracherkennung
- Kanäle (Fächer, Institutionen etc.) analog zu YouTube
- Einfaches Hochladen eigener Videos inkl. Vergabe von Nutzungsrechten
- Benutzergenerierte Web 2.0 Dienste wie Tagging und Bewertung
- Referenzierbarkeit der AV-Medien durch einen Zitierlink (DOI)
Plank, M. (2010) Abschlussbericht: Anforderungsspezifikation AV-Portal für wissenschaftliche Filme, Technische Informationsbibliothek (TIB)
Marktanalyse
Im Herbst 2010 hat die TIB in Zusammenarbeit mit der Firma Infratest eine detaillierte Nutzer- und Marktanalyse durchgeführt, die qualitative und quantitative Informationen darüber enthält, wer in Deutschland audiovisuelle Medien in welchem Umfang und in welcher Art produziert, bereitstellt bzw. benötigt. Befragt wurden 100 Medienzentren und 326 Produzenten.
Einige Ergebnisse der Befragung in der Übersicht
- 82 Prozent der befragten wissenschaftlichen Hochschulen und Institute und 55 Prozent der Medienzentren könnten sich eine Zusammenarbeit mit der TIB vorstellen. Das sind mindestens 117 Einrichtungen, die als potenzielle Kooperationspartner in Frage kommen.
- Insgesamt kann der Gesamtbestand der 100 befragten Medienzentren auf mindestens 28.800 Filme geschätzt werden. Zusätzlich kommen alle zwei Jahre etwa 6.000 neue dazu, die an wissenschaftlichen und technischen Hochschulen und Instituten produziert werden.
- Diese Filme sind bisher inhaltlich kaum erschlossen. Bei den Medienarchiven verfügen zwar 66 Prozent über einen Titel, aber Abstracts werden nur in 17 Prozent der Fälle verfasst. Bei den Produzenten haben nur 54 Prozent einen Titel und nur 20 Prozent ein Abstract.
- 72 Prozent der Medienarchive verfügen über einen Online-Katalog im Internet (OPAC), aber nur zwei Prozent über ein Videoportal. Bei den Produzenten machen 26 Prozent Ihre Filme über den OPAC zugänglich, jedoch nur drei Prozent über ein Videoportal.
Die Marktanalyse macht deutlich, dass ein erhebliches Potenzial und auch ein Bedarf an einem Online-Video Portal, wie es die TIB einrichten möchte, besteht, damit die Bedingungen für den Zugang zu und die Nutzung von wissenschaftlichen Filmen in Forschung und Lehre optimiert werden und neue Formen der Nutzung vorhandener Bestände ermöglicht werden.
Als Ergebnis der Befragung liegen je ein Handbuch Produzenten und Medienzentren wissenschaftlicher Filme aus Naturwissenschaft und Technik vor die u. a. Aufschluss geben über Bestände, Erschließung und Verfügbarkeit der Medien. Auf dieser Basis wird die TIB ab 2011 wissenschaftliche Filme aus Naturwissenschaft und Technik systematisch akquirieren.
Wer hilft weiter?
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Margret Plank, MA Int.Informationsmanagement
Leitung Kompetenzzentrum für nicht-textuelle Materialien (KNM)
Technische Informationsbibliothek (TIB)
Welfengarten 1B, 30167 Hannover
Telefon: +49(0)511 / 762-4884
Telefax: +49(0)511 / 762-5373
E-Mail: margret.plank(at)tib.uni-hannover.de

